Design Expertin Barbara Brandt (BB) hat den Designer (CO) befragt.

BB: „Guten Tag Christoph Obst. Eure Kreativschmiede firmiert mit dem Untertitel produktvision. Was für ein zukünftiges Produkt dreht sich momentan vor deinem geistigen Auge?“

CO:  „Ich würde da eine Waschtischarmatur herausgreifen, welche mir sehr am Herzen liegt.“

BB: „Wie konkret ist die Idee bereits formuliert?“

CO:  „Im Virtuellen, im CAD ist die Armatur fertig modelliert. Es gibt tolle Renderings, welche uns die Idee fotorealistisch vor Augen führen. Die Dimensionen wurden mittels eines 1:1 Modells überprüft und angepasst.
Vom Design her handelt es sich um eine absolut neue Form eines Auslaufes. Was die Bedienung angeht sind noch Alternativen offen. Mir schwebt eine elektronische Steuerung vor, aber dieses Feature möchte ich gerne in Absprache mit einem Hersteller gemeinsam entwickeln.“

BB: „Also steht noch kein Hersteller fest?“

CO: „Ja das ist richtig. Ich überlege momentan, wen ich ansprechen werde.
Am liebsten arbeite ich auf diese Weise. Es ist ein höchst produktives Vorgehen völlig frei ein Thema zu entdecken und erst einmal unabhängig eine Idee zu konkretisieren. Hierbei entstehen meiner Erfahrung nach die innovativsten Entwürfe.“

BB: „Ist es dann nicht schwierig einen geeigneten Hersteller zu finden?“

CO: „Prinzipiell sind alle Unternehmen auf Innovationen angewiesen, um sich Märkten, Trends und Technologien anzupassen. Und vor allem muss sich ein Unternehmen von den Mitbewerbern abzuheben. Ich beobachte den Sanitärmarkt seit über 15 Jahren im Detail und kann sehr gut einschätzen, welches Unternehmen von unserer neuen Armatur, profitieren kann. Allerdings braucht es von Seiten des Unternehmens eine gewisse Offenheit für Impulse von außerhalb.“

BB: „Ist das überhaupt möglich? Ich weiß, dass in der Automobilbranche völlig abgeschottet gearbeitet wird.“

CO: „Im Sanitärdesign wird gerne mit externen Designern gearbeitet. Ich setzte auf selbstbewusste Produktmanager, die nicht nur Strategien abarbeiten, sondern auch außerplanmäßigen Impulsen Gehör schenken. Wenn ich unverbindlich eine Produktidee vorstelle, profitiert ein Unternehmen von einer enormen Entwicklungsarbeit, selbst wenn man sich gegen den Vorschlag entscheidet. Ein Designprozess besteht immer aus der Entwicklung von Alternativen und man kann eigene Ansätze an meinen Entwurf messen und überprüfen.“

BB: „Was für Produkte entwickelst du noch?“

CO:  „Auch wenn ich jetzt eine Armatur herausgegriffen habe, begeistere ich mich für das Design des gesamten Bades, welches immer mehr als Wohn- und Lebensraum wahrgenommen und ganz bewußt gestaltet wird. Hierzu gehören dann auch die Sanitärkeramik, die Möbel, das Licht _ im Prinzip der Raum als Ganzes.
Meine Faszination für das Material Porzellan hat mich auch zur Themenwelt des gedeckten Tisches geführt. Mit meinem Badblick entdecke ich zu meinem persönlichen Spaß Zusammenhänge zwischen Armaturen und Bechern sowie auch anderen Objekten. In beiden Welten spielt Körperlich-Sinnliches eine tragenden Rolle und die Handhabung von Flüssigkeiten.“

BB: „Kann man denn überhaupt eine neue Gabel oder eine neue Tasse erfinden?“

CO: „Edelstahl und Porzellan sind sehr bewährte Materialien. Technische Innovationen konzentrieren sich auf weniger sichtbare Themen wie Oberflächen und Herstellung.
Um so sichtbarer sind Designinnovationen. Wir alle haben eine große Lust auf Dinge mit neuen Formen, eine innere Sehnsucht nach zeitgemäßen Ausdruckswerten. Für mich als Designer ist es eine Herausforderung diese Formen zu erspüren und auszuformen. Hierbei fließen sowohl meine Erfahrungen mit unterschiedlichsten Materialien als auch Impulse aus meiner freien künstlerischen Arbeit ein, welche durch einen avantgardistischen Anspruch immer auch neue Ausdrucksformen erforscht.“


BB: „Was für Dinge würdest du gerne entwerfen, wenn du die Gelegenheit dazu bekommst.“

CO: „Ein Kollege hat einmal gesagt, wenn er sich mit dem Auftraggeber gut versteht, würde er auch einen Hühnerstall für ihn entwerfen. So in etwa sehe ich das auch.
Natürlich gibt es auch Lieblingsthemen, die mich herausfordern. Möbel sind immer faszinierend, Interieurs. Ich habe Clubs gestaltet und Einzelmöbel entwickelt. In den 80er Jahren waren das viele Stahlmöbel, Tische, Stühle, unzählige Sofas und Liegen, welche zum Teil in kleinere Serien gingen. An diese Themen würde ich jetzt gern nochmal neu rangehen.  

Wenn mir zu unterschiedlichsten Produkten Ideen einfallen, archiviere ich diese in Form von Skizzen. Da hat sich schon ein großer Fundus angesammelt. Das reicht von Taschen über Brillen bis hin zu Schlössern und Vielem mehr. Das darf so lange vor sich hin reifen bis sich eine Idee immer wieder meldet oder bis ein Anstoß von außen kommt.

Dann gibt es noch ein Lieblingsthema: Architekturen. Häuser haben mich schon immer interessiert, gebauter Raum, Treppen, Licht. Im Moment bietet sich mir die Möglichkeit auch hier tätig zu werden."

BB: „Vielen Dank für deine Ausführungen und weiterhin viel Freude beim Gestalten.“

CO: „Danke!“